Gut leben – statt viel haben

Im Frühsommer erwacht die Natur in voller Pracht – eine Einladung, bewusst zu leben und das Wesentliche zu genießen. Statt uns von der Hektik des Alltags treiben zu lassen, können wir uns auf die kleinen, schönen Momente besinnen: Das sanfte Rascheln der Blätter im Wind, den Duft frisch gemähten Grases, die ersten sonnengereiften Erdbeeren oder ein Bad in einem klaren See. Achtsamkeit und Gelassenheit schenken mehr Zufriedenheit als der ständige Wunsch nach mehr Besitz oder kurzlebigen Konsumrausch. Unser „Immer-mehr“ und „Billig-billig“ hat Folgen: Es zehrt an den Ressourcen der Natur, an den Lebensgrundlagen von Menschen in Billiglohnländern und an der Zukunft unserer Kinder und Enkel. Schon 1972 warnten kluge Köpfe vor den Grenzen des Wachstums – doch die Welt hat die Botschaft lange ignoriert. Heute wird die Dringlichkeit spürbar: Hitzewellen, die zu Dürren und verheerenden Waldbränden führen, Stürme, die ganze Regionen verwüsten oder Überflutungen, die auch in Deutschland immer häufiger werden.
Weniger ist mehr – dieses Motto gewinnt gerade an Bedeutung, denn immer mehr Menschen suchen nach Wegen, nachhaltig zu leben und zu wirtschaften. Sie engagieren sich in Repair-Cafés, nutzen Leihläden für Werkzeuge und Fahrzeuge oder gründen Einkaufs- und Lebensgemeinschaften, in denen geteilt statt besessen wird. Tiny-Häuser entstehen als minimalistische Rückzugsorte, Zukunftsgärten blühen auf – und mit ihnen die Idee der Suffizienz: Die Befreiung vom Zwang zum „Immer mehr“ und vom „Haben statt Sein“. Schon heute können wir beginnen, einen nachhaltigeren Lebensstil zu leben. Jeder hat die Möglichkeit, mit kleinen Schritten Großes zu bewirken:
Besonders beim Lebensmittelkauf liegt ein großer Hebel, um die Umwelt zu schützen: Wer auf Bio-Produkte setzt, spart Energie, reduziert den Einsatz schädlicher Chemikalien und fördert den Humusaufbau im Boden, der wiederum CO2 bindet. Bio-Landbau erhält alte Obst-, Gemüse- und Getreidesorten, schützt Bodenqualität und macht Bauern unabhängiger von Konzernen, die Saatgut und Pestizide kontrollieren.
Der Bio-Fachhandel unterstützt kleinbäuerliche Betriebe, arbeitet mit festen Partnern zusammen und bildet eine solidarische Gemeinschaft auch mit der Natur, um die Qualität der Lebensmittel und der Böden immer weiter zu verbessern und unsere Lebensgrundlagen zu erhalten.
Trotz alarmierender Studien zu den Gefahren von Glyphosat und Co. wird dessen weiterer Einsatz mit billigen Lebensmitteln und der Entlastung von Landwirten begründet. Wie passt es da zusammen, dass Parkinson – verursacht durch den Einsatz von Spritzmitteln – als Berufskrankheit anerkannt ist? Ist es nicht zynisch, dass die Gesundheit der Menschen und der Schutz unserer Lebensgrundlagen dabei nur eine untergeordnete Rolle spielen?
Unterstützen wir die Akteure im Biofachhandel und solidarisieren wir uns mit ihren Werten für eine Natur- und lebensfreundliche Zukunft. Ein Sortiment mit rund 4.000 Produkten – zu 100 % Bio – ist völlig ausreichend und zeigt: Es geht nicht um Profit, sondern um Gut leben – statt viel haben. Jeder Einkauf ist eine Entscheidung für eine enkeltaugliche Welt.





