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Landkreis Tauberbischofsheim

Als der olympische Funke auf Tauberbischofsheim übersprang

Von Helga Hepp
01.07.2026
Tauberbischofsheim
©
Fotoarchiv Heer

50 Jahre olympische Erfolge: Tauberbischofsheim feiert seine Fechtgeschichte

Es waren Bilder, wie sie Tauberbischofsheim nur selten erlebt hat. Tausende Menschen säumten die Straßen, jubelten ihren Olympiasiegern zu und bereiteten ihnen einen Empfang, wie ihn sonst nur Fußball-Weltmeister kennen. Als die Fechter des Fecht-Clubs Tauberbischofsheim im Sommer 1976 von den Olympischen Spielen in Montréal zurückkehrten, stand eine ganze Stadt Kopf. Aus olympischen Erfolgen wurde Stolz. Aus einem Verein wurde ein Aushängeschild. Und aus Tauberbischofsheim wurde die Heimat des deutschen Fechtsports.

50 Jahre später erinnert die Stadt an diesen historischen Moment. Am Freitag, 10. Juli, findet ab 17 Uhr auf dem Schlossplatz ein öffentlicher Festakt mit anschließendem Bürgerfest statt. Olympiasiegerinnen und Olympiasieger, Weltmeister, Trainer und Wegbegleiter kehren an den Ort zurück, an dem eine der außergewöhnlichsten Erfolgsgeschichten des deutschen Sports ihren Anfang nahm.

Die Grundlagen dafür wurden allerdings schon viele Jahre zuvor gelegt. 1954 entstand in Tauberbischofsheim die erste Fechtabteilung. Was zunächst klein begann, entwickelte sich unter Trainerlegende Emil Beck zu einer Talentschmiede von Weltrang. Mit dem Landesleistungszentrum, dem Bundesleistungszentrum und später dem Olympiastützpunkt entstand eine Infrastruktur, die Generationen von Spitzenathletinnen und Spitzenathleten hervorbrachte und den Ruf der Stadt weit über Deutschland hinaus prägte.

Montréal 1976 wurde schließlich zum Wendepunkt. Alexander Pusch gewann olympisches Gold im Degen, Hans-Jürgen Hehn errang Silber und mit der deutschen Herrenflorett-Mannschaft um Thomas Bach, Harald Hein, Matthias Behr, Klaus Reichert und Erk Sens-Gorius wurde olympisches Gold an die Tauber geholt. Auch im Degen-Mannschaftswettbewerb gehörten mit Alexander Pusch, Hans-Jürgen Hehn, Reinhold Behr sowie Volker Fischer gleich mehrere Fechter aus Tauberbischofsheim zum deutschen Silberteam. Es waren jene Spiele, die Tauberbischofsheim endgültig auf die Weltkarte des Fechtsports setzten. Aus sportlichen Erfolgen wurde ein Markenzeichen für eine ganze Stadt. Tauberbischofsheim entwickelte sich zur Medaillenschmiede des deutschen Fechtsports – zunächst national, wenig später international.

Was damals begann, setzte sich über Jahrzehnte fort. Olympische Medaillen, Welt- und Europameistertitel wurden untrennbar mit dem Namen Tauberbischofsheim verbunden. Einer der größten Momente folgte 1988 in Seoul: Mit Anja Fichtel (Gold), Sabine Bau (Silber) und Zita Funkenhauser (Bronze) standen erstmals in der Geschichte der Olympischen Spiele drei Fechterinnen desselben Vereins gemeinsam auf dem Siegerpodest – ein bis heute einzigartiger Erfolg.

Dass dieses Jubiläum ausgerechnet im Jahr 2026 gefeiert wird, verleiht ihm eine besondere Symbolkraft. Seit dem 1. Mai darf Tauberbischofsheim offiziell die Zusatzbezeichnung „Fechterstadt“ führen. Mit dieser Auszeichnung würdigt das Land Baden-Württemberg die außergewöhnliche Bedeutung der Stadt für den Fechtsport. Innenminister Thomas Strobl bezeichnete Tauberbischofsheim als international bedeutendes Zentrum des Fechtsports und als historische Heimat des deutschen Fechtsports. Die Zusatzbezeichnung sei Ausdruck einer über Jahrzehnte gewachsenen Identität und eines besonderen Zusammengehörigkeitsgefühls.

Der Festakt auf dem Schlossplatz schlägt die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Nach dem Einzug der Olympiateilnehmerinnen und Olympiateilnehmer begrüßt Bürgermeisterin Anette Schmidt die Gäste. Grußworte sprechen unter anderem Dr. Thomas Bach, Olympiasieger von Montréal, Ehrenpräsident des Internationalen Olympischen Komitees und Ehrenbürger der Stadt. Kaum ein anderer steht so sehr für den Beginn dieser einzigartigen Erfolgsgeschichte. Seine Erinnerungen werden den Blick noch einmal zurück auf jenen Sommer 1976 richten, als der olympische Funke auf Tauberbischofsheim übersprang. Im Anschluss lädt die Stadt zum Bürgerfest auf den Schlossplatz ein.

„Vor 50 Jahren begann eine Erfolgsgeschichte, die Tauberbischofsheim bis heute prägt. Unsere Olympiasiegerinnen und Olympiasieger haben den Namen unserer Stadt in die Welt getragen und ein Stück Identität geschaffen. Dieses Jubiläum ist ein Dank an alle, die dazu beigetragen haben – und eine Einladung an alle Bürgerinnen und Bürger, gemeinsam ein Kapitel Stadtgeschichte zu feiern, auf das wir mit großem Stolz blicken können.“, sagt Bürgermeisterin Anette Schmidt.

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